Unterwegs trafen wir eine Familie, die für sechs Wochen Australien rund 30.000 Euro ausgegeben hatte. Wir hatten zu dem Zeitpunkt in sechs Monaten Südostasien etwa 20.000 gebraucht, zu viert. Daraus wurde eine Wette mit uns selbst: Wie günstig geht Australien, ohne dass es Verzicht wird?
Die Antwort steht in unserer Tabelle. 88 Tage, vier Personen, 13.737,16 Euro. Das sind 156,10 Euro am Tag für die ganze Familie und 39,03 pro Person und Tag, Flüge eingerechnet.
Die Flüge sind der Posten, den man nicht drücken kann
2.397,35 Euro für vier Flüge: Kuala Lumpur nach Melbourne für 943, Melbourne nach Sydney für 163,28, Cairns nach Sydney für 614,97 und Sydney zurück nach Kuala Lumpur für 676,10. Das ist fast ein Fünftel des Budgets, und daran lässt sich wenig ändern. Alles andere schon.
Ohne Flüge kostete uns ein Tag in Australien 128,86 Euro für vier Personen.
Das Auto war die Entscheidung, die alles verändert hat
Wir haben keinen Camper gemietet, sondern in Sydney einen alten Nissan X-Trail gekauft, komplett fürs Campen ausgerüstet, mit Dachzelt, Tisch, Stühlen, Kühlbox und Gaskocher. 6.300 Euro. In Cairns haben wir ihn für 6.250 wieder verkauft. Unterm Strich hat uns das Fahrzeug 50 Euro gekostet, dazu 1.568,99 für Sprit, zweimal Abschleppdienst, einen neuen Anlasser, Ölwechsel und die Ummeldung.
Ein kleiner Camper für drei Monate wäre bei etwa 10.000 Euro gelandet. Das ist der Unterschied zwischen einer Reise, die stattfindet, und einer, die man verschiebt.
Ehrlich dazu: Kauf und Verkauf liefen über Julias Aufzeichnungen und stehen nicht in derselben Tabelle wie der Rest. Die 1.568,99 laufenden Kosten dagegen sind Zeile für Zeile belegt.

Schlafen: 3.659,56 Euro in 88 Nächten
Unterkunft war mit 3.659,56 Euro der größte Einzelposten. Auf alle 88 Nächte gerechnet sind das 41,59 Euro pro Nacht für vier Personen, aber diese Zahl ist geglättet: bezahlt haben wir nur etwa die Hälfte der Nächte. Eine bezahlte Nacht lag typischerweise bei rund 78 Euro, in Motels auch über 100. Die anderen Nächte kosteten nichts, weil wir im Dachzelt standen oder bei Workaway-Gastfamilien wohnten.
Geschlafen haben wir meistens im Dachzelt auf Campingplätzen. Wenn uns das Campen zu viel wurde oder wir in eine größere Stadt kamen, nahmen wir ein Motel. Motels sind in Australien fast immer mit Wasserkocher, Mikrowelle und Geschirr ausgestattet, wir konnten also weiter selbst kochen. Preise schwanken stark nach Wochentag, am Wochenende wird es deutlich teurer.
Essen: 26,81 Euro am Tag für vier
2.359,27 Euro in drei Monaten. Gekocht haben wir überwiegend selbst auf dem Gaskocher, oft schon am Vortag, und unterwegs an einem der kostenlosen Barbecue-Plätze gegrillt. Eine Thermoskanne hat sich schnell bezahlt gemacht, weil ein Kaffee unterwegs 6 bis 10 australische Dollar kostet.

Zwei Wochen Workaway
Zweimal acht Tage haben wir bei australischen Familien gelebt und vier Stunden am Tag im Garten gearbeitet, nachmittags waren wir unterwegs. Bezahlt wird bei Workaway nichts, dafür sind Unterkunft und Essen frei. Uns ging es weniger ums Geld als um die Sprache. Am zweiten Tag bei Emma, unserer zweiten Gastgeberin, die drei eigene Kinder hat, sprach unser achtjähriger Sohn zum ersten Mal frei Englisch, nach sieben Monaten Reise, in denen das nicht passiert war.
In der ersten Workaway-Woche stehen 182,72 Euro in unserer Tabelle, für sieben Tage und vier Personen: Lebensmittel, Zug, Taxi. Schlafen und Essen kosteten nichts.
Wie diese zwei Wochen abliefen, was sie mit den Kindern gemacht haben und wofür Workaway nichts taugt, steht ausführlich in Workaway mit Kindern.
Aktivitäten: 693,12 Euro in drei Monaten
Nationalparks kosten in Australien nichts, Angeln auch nicht, und das war unsere häufigste Beschäftigung. Bezahlt haben wir für den Freizeitpark Aussie World 101,31 Euro, für einen großen Zoo 58,97 und zum Abschluss in Cairns für den Ausflug zum Great Barrier Reef 416,88. Kängurus, Koalas und Possums haben wir auf Campingplätzen getroffen, dafür zahlt niemand Eintritt.
Die Route
Angekommen sind wir am 1. März in Melbourne, danach Great Ocean Road, am 16. März per Inlandsflug nach Sydney, dort das Auto gekauft, dann Blue Mountains und von da an immer die Ostküste hoch: Dunbogan, Coffs Harbour, Gold Coast, Brisbane, Sunshine Coast, Bundaberg, Rockhampton, Mackay, Magnetic Island, Mission Beach, Port Douglas. Am 25. Mai waren wir in Cairns, am 27. ging der Flug zurück.
Was wir davon mitnehmen
Australien gilt als teures Reiseland, und für sechs Wochen im Camper stimmt das auch. Der Preis entsteht aber nicht durch das Land, sondern durch drei, vier Entscheidungen am Anfang: mieten oder kaufen, Hotel oder Zelt, auswärts essen oder selbst kochen. Wir haben nichts ausgelassen, was wir sehen wollten, und trotzdem knapp 14.000 Euro gebraucht statt 30.000.