Sieben Monate waren wir zu diesem Zeitpunkt unterwegs. Englisch konnte unser Sohn da schon ein wenig, gesprochen hat er es trotzdem nicht: unsicher, mit Angst, etwas falsch zu machen. Fünf Monate vorher hatte er im Café geweint, statt «Do you have a toilet?» zu fragen. Geändert hat das keine Sprachschule, sondern acht Tage im Haus einer australischen Familie.
In Australien haben wir zweimal acht Tage bei fremden Familien gelebt, über Workaway: einmal in Belgrave in den Dandenong Ranges östlich von Melbourne, einmal in Wentworth Falls in den Blue Mountains westlich von Sydney. Die Abmachung ist bei Workaway überall dieselbe: vier Stunden Arbeit am Tag, dafür ein Bett und Essen. Bei uns war es Gartenarbeit, der Nachmittag gehörte uns.
Wie ein Tag bei den Gastgebern aussah
Unsere erste Gastgeberin hieß Christina und lebte allein am Rand von Melbourne. Bei ihr ging es um die Hühner und um den Gemüsegarten. Neu war das für uns nicht: in Deutschland steht unser Haus mit Garten, und diese Art Alltag fehlt unterwegs. Christina gab uns ein eigenes Zimmer und Essen für die ganze Woche, fuhr mit uns in den Park zu den Kängurus, zeigte uns die Gegend und gab Tipps für die weitere Reise. Wir haben wilde Papageien gefüttert, jeden Spielplatz im Ort abgelaufen und die Puffing Billy kennengelernt, die alte Dampfbahn in den Dandenong Ranges.


Die Kinder haben mitgemacht, weil es ihnen Spaß gemacht hat: Rechen, Eimer, Handschuhe. Niemand hat sie eingeteilt, sie standen einfach mit im Garten.


In den Blue Mountains war die Aufgabe eine andere: eine Stützmauer, erst graben, dann die Balken setzen. Zwischen diesen beiden Bildern liegen zwei Tage.


Die Nachmittage dieser Woche liegen in den Fotos in Katoomba, an den Wentworth Falls und im Nationalpark. Vormittags Garten, nachmittags Blue Mountains, acht Tage lang.
Was daran unangenehm war
Es war nass und dreckig. Manchmal musste im Regen gearbeitet werden, und Gartenarbeit im Regen wird nicht dadurch besser, dass man freiwillig da ist. Und manchmal wohnt die ganze Familie in einem Zimmer, auch wenn es klein ist. Beides muss man aushalten wollen. Für uns hat es sich trotzdem gelohnt: was diese Wochen gebracht haben, wiegt schwerer als das, worüber man dabei hinwegsieht.
Was das mit dem Budget gemacht hat
Australien hatte uns zwei Wochen vorher ziemlich erschreckt. Vier Hotdog-Brötchen für 11 Euro, 60 Cent für einen einzelnen Apfel, und für eine Unterkunft 100 Euro die Nacht, das im Vorort von Melbourne, eine halbe Stunde mit der Bahn vom Zentrum entfernt. Nach einem halben Jahr Asien war das ein Schlag.
In der ersten Workaway-Woche, vom 1. bis 7. März 2023, stehen dann in unserer Tabelle 182,72 Euro für vier Personen: Lebensmittel, ein paar Restaurants, Zug und Taxi. Für Unterkunft und Essen null. Das sind 26 Euro am Tag für eine vierköpfige Familie, in Australien.
Die 41,59 Euro pro Nacht, die in unserer Australien-Rechnung stehen, sind die 3.659,56 geteilt durch alle 88 Nächte, die kostenlosen mitgezählt. Bezahlt haben wir nur etwa die Hälfte der Nächte, und eine bezahlte Nacht lag typischerweise bei rund 78 Euro für vier Personen, in Motels auch über 100. Für die 16 Workaway-Nächte heißt das rund 1.250 Euro, die wir nicht ausgegeben haben, das Essen im Haus noch nicht gerechnet.

Der Tag, an dem unser Sohn Englisch sprach
Die zweite Gastgeberin hieß Emma und hatte drei eigene Kinder. Julia hat den Moment noch am selben Tag aufgeschrieben, dem 24. März 2023:
«Mama, was heißt Marmelade auf Englisch?», fragte mich mein Sohn, als ich ins Zimmer kam. «Jam», sagte ich, ohne nachzudenken. Ich wollte gerade mein übliches «wozu brauchst du das» hinterherschieben, da sagte er den nächsten Satz schon nicht mehr zu mir, sondern zu Emma, unserer Gastgeberin, die den Kindern gerade Pfannkuchen briet. Er zeigte auf seine Schwester und sagte: «She wants a half with jam.» Ich stand da und war sprachlos.
Er war acht, seine Schwester drei. Sieben Monate vorher konnte er kein einziges Wort. In der Woche bei Emma hat er nicht nur mit ihren Kindern geredet, er hat ihnen in einer improvisierten Schule auf der Terrasse das ABC beigebracht.

Er geht in keine Sprachschule, lernt keine Vokabellisten, schreibt keine Tests. Er reist mit uns. Deutsch und Russisch spricht und liest er, und in dieser Woche kam Englisch dazu. Nicht weil er im Ausland war, sondern weil im selben Haus Kinder wohnten, mit denen er unbedingt spielen wollte.
Was uns diese zwei Wochen gegeben haben
Julia hat es damals so aufgeschrieben, und daran hat sich nichts geändert.
Über das Land haben wir dabei mehr erfahren als irgendwo sonst. Die Abende am Tisch, das ständige «und wie ist das bei euch», haben uns die guten und die schlechten Seiten Australiens gezeigt. In keinem anderen Land sind wir so tief in den Alltag gekommen.
Und eine fremde Familie ist ein Spiegel für die eigenen Regeln. Das gilt vor allem für die zweite Woche, bei Emma, wo zwei Familien mit Kindern unter einem Dach lebten. Bei ihnen laufen die Kinder mit den Füßen über den Esstisch, bei uns nicht. Ihre Kinder gehen in die Kunstschule und zeichnen wunderbar, unsere nicht. Unsere räumen ihr Geschirr ab, ihre nicht. Sie bringen die Kinder ins Bett und legen sich selbst hin, wir sitzen noch bis Mitternacht. Wir neigen dazu, das Eigene zu unterschätzen und immer nach mehr zu schauen. Acht Tage im Haus einer anderen Familie zeigen, was bei uns längst gut läuft.

Bereut haben wir keine Sekunde davon, und weiterempfehlen würden wir es jedem, der einen anderen Blick auf ein Land sucht.
Workaway
Zweimal acht Tage haben wir bei australischen Gastfamilien gelebt: vier Stunden Gartenarbeit am Tag gegen Unterkunft und Verpflegung. Für uns war das keine Sparmaßnahme, sondern der Moment, in dem die Reise aufgehört hat, eine Reise zu sein. Nach einem Tag bei einer Familie mit drei Kindern haben unsere Kinder angefangen, Englisch zu sprechen. Nach sieben Monaten unterwegs.
Belegt durch:Eigene Aufzeichnungen zum Aufenthalt, Fakt australien-workaway · Fotoarchiv: Belgrave und Emerald bei Melbourne 3. bis 10. März 2023, Wentworth Falls in den Blue Mountains 20. bis 27. März 2023 · Ausgabentabelle: 1. bis 7. März 2023 insgesamt 182,72 Euro Reisekosten, Unterkunft und Verpflegung nullgeprüft 16.08.2026
Zu WorkawayWerbelinkworkaway.info
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Wie sich diese zwei Wochen in die Gesamtrechnung einfügen, steht in Was drei Monate Australien mit zwei Kindern wirklich gekostet haben. Die zweite große Entscheidung derselben Reise war das Auto: Auto kaufen statt mieten.